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Montag   27.11.2017

18/10/2017

 
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  The touch of movies /

    Stephan Holl: Wann kommt der „Stummfilm mit Musik“?
 
In der Welt gibt es in den entlegensten Filmgenres Raritäten zu entdecken, die ihre Zuschauer bezaubern und zur Kunst rechnen. Das gilt z.B. für den japanischen Pink-Film. Das sind Filme, die in vier Tagen abgedreht sein müssen, in denen in bestimmten Minutenabständen Sex zu sehen ist und die für die Kinos an den Bahnhöfen, also für plebejische Nutzung, bestimmt sind. Auch hier finden sich aber plötzlich Kunstwerke und hinreißende „Ausnahmen von der Regel“.

Tief unter dem Dunstkreis des kommerziellen Films bewegt sich die Film-geschichte partisanenähnlich weiter.
Bei schlafenden Menschen, die in ihre Träume eintauchen, gibt es die sogenannte REM-Phase.  Danach nennt sie ein deutscher Filmverleih, die Rapid Eye Movies (= REM). Der Verleih ist spezialisiert, filmische Raritäten und Kultfilme international zu finden und in der Spätschicht der Programmkinos in den Groß-städten zu platzieren. Zum Perlentauchergebiet gehört für Rapid Eye Movies der japanische, der indische FIlm, aber auch die Musikfilme Hollywoods. Wird es einmal wieder „Stummfilm mit Musik“ geben? Filme, in denen das Theaterdrama und die lästigen Dialoge nicht das verdecken, was der Film eigentlich kann und was ihn mit der Musik verbindet.
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Begegnung mit Stephan Holl, der gemeinsam mit seiner Fraue den erfolgreichen Verleih REM leitet: The touch of movies.

Montag   20.11.2017

18/10/2017

 
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 Ein Gedicht hat kein Dach/

  Ben Lerner, New York: Das Authentische - Das Echte - Das, was fliegen kann
 
Zu den modernsten Dichtern der U.S.A. gehört der New Yorker Ben Lerner. In seinem provozierenden Manifest „I hate poetry“ trennt er in einem Rundumschlag auf neue Art Kitsch von dem, was Dichtung wertvoll macht. Er geht aus vom „schlechtesten Gedicht der Welt“, geschrieben von William McGonagall über den Einsturz der Tay-Brücke in Schottland gibt einen Überblick über alles, was man in der Lyrik nicht machen soll und kommt zu dem Resultat: „Ich kann Dichtung nicht abschätzig betrachten, denn am Ende entdeckt man in ihr den Ort für das Authentische“.
 
Man nennt die ernsthafteste Auseinandersetzung mit Gott „negative Theologie“. Einem Scholastiker wie Maimonides geht es vor allem darum, was man von Gott nicht wissen kann. Das ist der Ausdruck des Respekts. Ähnlich gibt es, sagt Ben Lerner, die „negative Lyrik“ – sie vermeidet jede Phrase und weiß, dass auch das beste Gedicht, die Wurzel für die es geschrieben ist, nicht fassen kann. „Ich bin Patriot der Dichtkunst“, stellt Ben Lerner fest, „weil Plato so vehement dagegen ist“. Plato nämlich glaubt, dass Musik und das Poetische verweichlichen. Man soll nur auf den harten Verstand vertrauen. Das wiederum glaubt Ben Lerner, der Praktiker des Poetischen, überhaupt nicht.
 
Begegnung mit Ben Lerner aus Anlass einer Ausstellung im Palazzo Ca‘ Corner della Regina in Venedig.

Montag   13.11.2017

18/10/2017

 
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„Jedes Tischtuch erzählt“
 /

    Uwe Walter: Wie die Seele in den Medien ihre Wege sucht

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Erfahrene Medienexperten wissen, dass Menschen nicht nach nackter Information hungern, sondern dass sie alle Informationen gut erzählt haben wollen. Bei solchem Erzählen sprechen im Menschen viele Stimmen miteinander, oft ist es ein Chor. Das ist die Musik, von der die menschliche Seele sich nährt.

Man beobachte, wie eine selbstbewusste Frau wie Scarlett O`Hara, die der Roman Vom Winde verweht  beschreibt, mit ihren Erfahrungen umgeht. Sie fühlt sich nicht als Zuschauerin ihres Lebens, sondern als dessen Produzentin. Dieses Leben ist ihr so wichtig, dass sie sich nicht auf sich allein verlässt. Sie richtet also ihr Interesse auf das, was ihr Idol, der junge Mr. Ashley, denkt, ein Mann aus einer ganz anderen, vornehmeren Gesellschaftsschicht. Und außerdem spricht in ihr die Stimme des Abenteurers Rhett Butler, der später ihr Mann sein wird. Man würde dessen Stimme heute der Zielgruppe der technischen Intelligenz zurechnen. Meist streitet sie mit dieser inneren Stimme, wie sie auch in ihrer Ehe mit ihm Debatten führt.

Es sind also drei verschiedene innere Stimmen, mit denen das Erzählen in Scarlett O`Hara anfängt. Diese Art von Erfahrungsverarbeitung auf der erfolgreiches Erzählen beruht, ist bei jedem Menschen anders. Fast nie ist es eindimensional.

Wenn in den Medien Menschen zappen oder surfen, ist das der Versuch der Seele, sich ihre eigenen Wege zu bahnen. Auch wenn der Abend dann Enttäuschung bringt, weil nichts zu finden ist, wird die Seele ihre zielsichere Suche nicht aufgeben. Oft ist es dabei eine Nebensache, die mit der sogenannten „Handlung“ oder der „Nachricht“ nichts zu tun hat, die die Phantasie belebt und nährt. In diesem Sinne behauptet der Mediencoach Uwe Walter: „Jedes Tischtuch erzählt“.

Montag   6.11.2017

26/9/2017

 
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  Jenseits von unseren Sinnen
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   Prof. Dr. Harald Weinfurter: Nachrichten aus der Quantenwelt

Unsere menschlichen Sinne sind nicht auf die Quantenwelt geeicht. Ebenso wenig wie auf das Durchwandern der Milchstraßen. Trotzdem schwimmt alles Leben in einem Meer von Elementarteilen und Quanten, die sich ganz anders verhalten als wir meinen.

Eine der interessantesten Fragestellungen im Verhalten der Quanten ist die sogenannte „spukhafte Fernwirkung“. Kommen zwei Photonen aus der gleichen Quelle, so bewirkt eine Beeinflussung des einen Geschwisters eine sofortige Reaktion des anderen, wie weit sie auch voneinander entfernt sein mögen. Zu diesem Paradoxon, das die Forscher Albert Einstein und Nathan Rosen zur Widerlegung dieser „spukhaften Fernwirkung“ aufgestellt hatten, das aber das Phänomen bestätigte, haben jetzt Münchner Quantenphysiker eine aufsehenerregende weitere Bestätigung geliefert. Ihre Versuchsreihe spielte sich zwischen zwei Kellern in der Nähe der Münchner Universität ab. Sie wiederholten den Versuch mit Photonen, die ihre Quelle in 600 Lichtjahre entfernten Sternen hatten. Diese Quelle konnte von keiner menschlichen Hand beeinflusst worden sein. So konnte das Einstein-Rosen Syndrom von letzten Zweifeln befreit werden.

Die Verschränkung von Elementarteilchen ist eine verblüffende Naturerscheinung, die sich mit menschlichen Vorstellungen schwer vereinbaren lässt. Theoretisch ist durch solche Fernwirkung die Teleportation möglich. Die Teleportation zerstört jedoch die Information des ursprünglichen Phänomens. Quantensysteme sind nicht kopierbar. Wird ein solches System teleportiert, verschwindet es an seiner Quelle. Wäre je die Teleportation eines ganzen Menschen möglich, entstünde er (aus purer Information) am neuen Ort und wäre am alten zerstört. Das wagt so leicht niemand.

Ein spannender Ausflug in die uns umgebende Welt der Quanten, in der man entweder REALISMUS oder LOKALITÄT haben kann, nie beides! Der Quantenphysiker Prof. Dr. Harald Weinfurter berichtet.

Montag   30.10.2017

26/9/2017

 
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  Der Große Räuber Assur
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   Karen Radner: Die Erfindung der urbanen Lebensweise im Orient
 
Unsere heutige europäische Zivilisation hat ihre Wurzeln im Morgenland: In der Erfindung der Stadt und der urbanen Lebensweise in dem Land zwischen Euphrat und Tigris. Auf die Stadtgründung von Uruk und den daraus entstehendem Reich folgte das Reich Assur. Die neueste Forschung, vor allem auch die von Prof. Dr. Karen Radner, zeigt die Metamorphosen dieses mächtigen Gesellschaftssystems. Man muss sich Assur zunächst als ein Kolonien bildendes, kaufmännisch dominiertes Gemeinwesen vorstellen, ähnlich der späteren Republik Venedig. Danach entwickelten sich in Assur eine Kriegerkaste und die Kriegstechnik der Streitwagen. Assur dehnte seine Herrschaft über den ganzen damals bekannten Weltkreis bis nach Ägypten aus. Nach einer überlangen Herrschaft eines mittelmäßigen Herrschers folgte dann ein Kindkönig. Usurpatoren traten auf, Bürgerkrieg zermürbte das Reich. So kam es zu einem in  Wahrheit allmählichen, für unseren historischen Fernblick aber „plötzlichen“ Sturz des großen Räubers Assur.
 
Die Inhaberin des Humboldt-Lehrstuhls an der Ludwig-Maximilian-Universität, Prof. Dr. Karen Radner, berichtet lebendig und aus eigener Kenntnis als Ausgräberin von diesen dramatischen Phasen der Geschichte der frühen Menschheit, der wir Buchhaltung, Religion, Astronomie, Gesetzgebung, große Epen wie den Gilgamesch verdanken, nicht nur Krieg. Das alles geschah auf dem Boden des heutigen Irak und Syriens.

Montag   23.10.2017

26/9/2017

 
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  Castorfs Faust 2017
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   Goethes Monument des Sprechtheaters am „Theater des Jahres“ in Berlin
 
Frank Castorf inszenierte erst die Faust-Oper von Charles Gounod an der Staatsoper Stuttgart und im Anschluss daran Goethes Faust in einer frischen und modernen Sprechtheaterversion an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin. Man wundert sich nicht, dass die Hauptdarstellerin, die Gretchen und Helena spielte, Valery Tscheplanowa, zur Schauspielerin des Jahres 2017 und die Volksbühne zum „Theater des Jahres“ gewählt wurden.

In einer grandiosen Szene zwischen Faust (Martin Wuttke) und dem Weltgeist (Sophie Rois) und – in der gleichen Besetzung – in der berühmten Nachtszene zwischen Faust und seinem Famulus Wagner, wird Goethe erstmals in eine Sprechweise des 21. Jahrhunderts katapultiert. Der Klassiker Goethe zeigt sich als ein Mammut des Sprechtheaters. Die Grenzen zwischen Komödie, Tragödie, großer Oper und Dokument werden niedergerissen. Das ist große Kunst und zugleich pure Gegenwart.

Die ausgewählten Szenen aus dem auf sieben Stunden (bis spät in die Nacht) angelegten Riesentheaterstück werden ergänzt durch Szenen aus dem Stummfilm-Faust von G. W. Murnau von 1926.

Montag   16.10.2017

26/9/2017

 
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  Zarathustras Kampf mit der Finsternis
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   Tobias Kratzer inszeniert Jean-Philippe Rameaus Zoroastre an der
   Komischen Oper Berlin

 
Der Kampf zwischen Gut und Böse ist Thema der Künste und Religionen seit vielen Millionen Jahren. In der persischen Überlieferung, die im Zeitalter der Aufklärung in Europa stark debattiert wurde, steht Zarathustra (in Mozarts Zauberflöte „Sarastro“), der Prophet der Lichtwelt für das Gute. Der Gegengeist dazu heißt Ahriman. Er steht für die Finsternis und das Böse.
 
Der geniale Opernkomponist Jean-Philippe Rameau, der mit Voltaire zusammenarbeitete, fesselte dieser Stoff. 1749 kam seine Oper Zoroastre heraus, die ein Erfolg war. Jetzt hat Tobias Kratzer diese Oper in Berlin neu inszeniert. Die Archetypen Zarathrustra und Ahriman, auch Rivalen um zwei Frauen, leben nach sechstausendjährigem Kampf in einem Neubauviertel als Nachbarn. Das ist zu viel Nähe. Schon ab drittem Akt: Bürgerkrieg. Zuletzt liegt der Vertreter des Bösen, Ahriman, tot im Garten. Zarathustra bekommt die Braut, wird aber nicht glücklich.
 
Eine Glanzleistung der Komischen Oper Berlin. Eine verblüffend packende Musik transportiert eine Debatte der Aufklärung plausibel in die Jetztzeit des 21. Jahrhunderts.

Montag   9.10.2017

12/9/2017

 
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  Perlentaucher unterwegs
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    Rapid Eye Movies sucht und entdeckt Raritäten, die neue Lust
    aufs Kino machen

 
Rapid Eye Movies ist ein besonderer Filmverleih und  neuerdings auch Produzent. In dem besonderen Programm dieses Verleihs finden sich Raritäten wie der Kultfilm Space is the Place mit der Jazz-Ikone Sun Ra. Die letzte in der Welt vorhandene Kopie dieses Pop-Meisterwerks hat Rapid Eye Movies entdeckt und vom Filmformat ins Digitale überspielt.
 
Aber auch im Genre des japanischen Pink Films (Filme mit nur vier Tagen Drehzeit, erotisch-ritual, bestimmt für japanische Bahnhofskinos), findet Rapid Eye Movies Perlen wie Branded to Kill. Der Film zählt zur Avantgarde des Autorenfilms, niemand würde ihn unter dem Pink Film vermuten. Er zählt – lange vor Godard – zu den Glanzstücken der Nouvelle Vague. Und das in Japan.
 
Mit dem engen Blickwinkel Hollywoods und des europäischen Films ausgestattet, übersehen wir zu Unrecht, dass auch in den tausend Filmen, die in Indien jedes Jahr neu entstehen, und außerdem im chinesischen, dem philippinischen und dem afrikanischen Film Raritäten versteckt sind, die ins Kino zu holen sich lohnt. Vom Programm der Rapid Eye Movies sagt die Süddeutsche Zeitung: „Viele Stunden Kinoglückseeligkeit“. Und außerdem hat Rapid Eye Movies mit solchem Programm noch Erfolg.
 
Begegnung mit Stephan Holl, der mit seiner Frau gemeinsam Rapid Eye Movies leitet.

Montag   2.10.2017

12/9/2017

 
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  Die Mathematik der sinnlichen Kraft
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    Prof. Dr. Leo van Hemmen: Wüstenskorpion, Krokodil,
    Schleier-Eule & Menschenohr

 
Man spricht von den fünf Sinnen eines Menschen. Tatsächlich sind es viel mehr sinnliche Kräfte an der Arbeit, wenn wir uns bewegen, das Gleichgewicht halten und unsere Lebendigkeit ausüben.
 
Die Evolution zeigt sich als eine Wunderkammer verblüffender Kooperationen zwischen den sinnlichen Fähigkeiten der Lebewesen. Der Wüstenskorpion ist z. B. ein sinnlicher Mathematiker seiner Sinneskräfte. Im trocknen Sand, der sich in der Wüste wie eine Wasserfläche verhält, referieren winzige Härchen an den acht Beinen des Tiers den genauen Ort und den Weg einer Beute. Über vier Lebensjahre verfügt dieser Skorpion. Als Nahrung braucht er pro Jahr eine fette Motte. Also viermal Beutemachen im Leben. Dafür besitzt das blinde Tier staunenswerte Präzisionswerkzeuge der Ortung.
 
Ganz anders die Schleier-Eule. Die Ernährung ihrer Jungen und des Weibchens fordert von dem nächtlich jagenden männlichen Tier, dass es alle zehn Minuten eine Maus fängt und zum Nest bringt. Die Koordination des Ohrs der Schleier-Eule weist dafür eine extrem genaue Winkelgenauigkeit auf. Es ist merkwürdig, dass diese Treffsicherheit des Ohrs auch zu den Eigenschaften von uns Menschen gehört.
 
Für Krokodile und Vögel wäre der Abstand zwischen den Ohren zur genauen Orientierung im Raum unzureichend. Die Natur hat bei ihnen daher eine Direktkommunikation der Ohren durch einen Tunnel oder „Konzertsaal“ im Kopf erfunden.
 
Der Bio-Physiker Prof. Dr. Leo van Hemmen untersucht die feinabgestimmte biologische Basis in der die Neuronen in extrem kurzer Zeit und mikrostrukturell im Gehirn diese Mathematik der sinnlichen Kraft ausüben. Die sinnlichen Kräfte erweisen sich in ihrer Praxis als erfahrene Mathematiker.
 
Wir Menschen in der Zivilisation machen von unseren sinnlichen Fähigkeiten nur teilweise Gebrauch. Was wir dabei nicht verlernt haben ist das Lernen selbst: Die Plastizität des Gehirns. Fahrradfahren oder Schwimmen lernen bleiben hochkomplexe, kooperative Aktionen zwischen den Sinnen. Das Belohnungssystem beim Lernen liegt, sagt Leo van Hemmen, darin, dass die Sinne von sich aus ein Vergnügen daran haben, zusammenzuwirken: Wenn ihnen etwas Ganzes gelingt. Die Belohnungen, die wir verstehen, und die tatsächlichen (offenbar auf anderer Ebene ebenfalls lustvollen) Vorgänge auf der Mikroebene zwischen den Neuronen und Synapsen sind dabei zwei verschiedene Welten.
 
Alles dies wird biophysikalisch durch einen imposanten Aufwand an Mathematik regiert, von dem unser Verstand nur wenig wahrnimmt.
 
Begegnung mit dem Bio-Physiker Leo van Hemmen.

Montag   25.9.2017

12/9/2017

 
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 Wie beginnt eine Revolution?/

  Dr. Patrick Eiden-Offe: Vom „Heiligen Eigentum“ zur
  gesellschaftlichen Umwälzung


Der Dichter und Kritiker Ludwig Tieck beobachtete in London hungrige Proletarier, die er mit Wölfen verglich. Sie strichen durch die nächtlichen Ladenstraßen der Stadt, nur durch dünne Ladenfenster von den üppigen Delikatessen getrennt, die ihren Hunger gestillt hätten. Tieck wunderte sich, dass das dünne Glas, das ein einziger Stein hätte zerstören können, diese Menschen abhielt, die gesellschaftliche Ordnung zu brechen. Es muss eine Mauer in ihnen geben, die sie vom Übergriff abhält.

In welchen historischen Momenten Revolutionen beginnen, ist nach wie vor unerforschtes Gebiet. Die frühen Revolutionäre wie Georg Weerth hielten den Streik für den Anfang des modernen Widerstands. Später galten Barrikadenkämpfe als Auslöser für den Umbruch. Was ist das revolutionäre Subjekt? Die Vorgänger der kommunistischen Partei, jene Gruppe von Wilhelm Weitling, für die Karl Marx und Friedrich Engels das Kommunistische Manifest schrieben, nannte sich „Bund der Gerechten“.  Für die frühen Revolutionäre war die Frage wichtig: „Nehmen wir an, die Revolution würde heute stattfinden, wie geht es morgen weiter?“

Der Historiker Dr. Patrick Eiden-Offe, Zentrum für Literatur-und-Kulturforschung Berlin, über das revolutionäre Subjekt und die Frage: wie beginnt eine Revolution?

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