COMPANY
PARTNER
FORMATE
MENSCHEN
TV-WOCHE
ENGLISH
HOME
Adresse/Tel/Fax    
 

   
  PRESSE:
  Die Welt 26.05.2003
   
  5 Jahre BBC Exklusiv
auf VOX
   
  Vortrag Athen 2002
Dr. Christian Schulte
   
  Vortrag Athen 2002
Dr. Rainer Stollmann
   
   
   
   
   
   
   
Aktuelles

(Aus: Die Welt 26.5.03))

Mit Alexander Kluge auf der Gemeindewiese
Seit 15 Jahren verwirrt er das TV-Publikum


Von André Mielke

 
Alexander Kluge
Foto: dpa
 

Alexander Kluge ist ein Segler. Ein kleiner Segler, eingekeilt von den mächtigen Schlachtschiffen der großen Medienkonzerne. Die Konstellation erinnere ihn an die Schlacht im Skagerrak, sagt er. An Nebel und Feuerstreifen am Horizont.

Wenn Kluge erst einmal ein Bild hat, dann hat es ihn. Wer eine seiner Sendungen gesehen hat, der weiß das. Der Mann ist nicht nur Filmemacher, sondern vor allem Literat. Autor, so nennt er sich. Als solcher wird Kluge den Büchner-Preis 2003 bekommen. Als Medienmanager konnte er gestern außerdem feiern, dass ausgerechnet er, ein wichtiger Intellektueller, seit nunmehr fünfzehn Jahren ausgerechnet das Stammpublikum des deutschen Privatfernsehens verwirren darf.

Bei der Jubiläums-Pressekonferenz in den Berliner XXP-Büros sitzt Stefan Aust neben ihm. Der "Spiegel"-Chefredakteur hat den 71-jährigen mal "eines der wirklich seltenen Universalgenies" genannt. Die beiden haben gemeinsam Filme gemacht; Geschäftspartner sind sie, seit Kluge 1988 seine Firma Dctp gründete und damit Austs ehrgeizigen Plänen mit "Spiegel-TV" eine stabile Plattform verschaffte.

Dctp (Development Company for Television Program) nutzt eine Klausel im Rundfunkstaatsvertrag, wonach Privatsender mit mehr als 10 Prozent Marktanteil Sendezeit an unabhängige Zulieferer abgeben müssen. Das betrifft RTL und Sat.1. "Die Öffentlichkeit muss wenigstens zu einem kleinen Teil Allgemeingut bleiben, so wie früher die Gemeindewiese", sagt Kluge. Einen Teil dieser Wiese nutzt er für seine Magazine "News & Stories", "10 vor 11" und "Primetime". Die meisten Sendeplätze aber hat er an Projekte großer Verlagshäuser abgetreten, darunter "Stern-TV". Die Privaten würden dieses sehr kommerzielle Format längst freiwillig ausstrahlen, und zwar mit Kusshand.

Letzteres dürfte bei Kluges Kulturmagazinen kaum der Fall sein. Es handelt sich um Gespräche mit Forschern, Künstlern, Denkern, deren Abstraktionsniveau die Grenzen konventionellen Fernsehens regelmäßig sprengt. Dabei gilt die Faustregel: Wer Joyces "Ulysses" in einem Zug gelesen hat, der kommt auch mit Kluge klar. Wie es aussieht, wenn Kluges Fernsehen auf normales Fernsehen trifft, das lässt sich an der aktuellen Eggenfelden-Berichterstattung erklären: Samstagnacht lief "Promi-Boxen". Da war RTL ganz bei sich selbst. Alles war gut. "Superstar"-Moderator Carsten Spengemann wurde von einem schwergewichtigen Tanzbären vermöbelt; eine medienpädagogische Maßnahme, die man sich schon viel früher gewünscht hätte. Aber weil eben schon alles zu spät war, hüpfte zwischendurch auch noch dieser "schräge" junge Mann aus Eggenfelden kurz durch den Ring und machte Krach.

Sonntagnacht hatte ein weiterer großer Sohn der niederbayrischen Kuhbläke einen viel längeren Auftritt. Der Literaturwissenschaftler und Historiker Joseph Vogl philosophierte mit Alexander Kluge genüsslich über die "seltsame Mischung zwischen Fluchtreflex und Scheitern" in Joseph Conrads Erzählung "Das Herz der Finsternis". 20 Minuten ging das. Hintereinander. Über "die Gravitation, die zur Heimat hinzieht" und so. Auf RTL, das eigentlich dem Kaliber Küblböck gehört. Oder umgekehrt.

Kluges Fernsehen kann ein Tor zu neuen Welten sein. Man muss sich darauf einlassen, und man braucht natürlich einen Schlüssel. Vor einigen Jahren beschwerte sich RTL-Chefredakteur Hans Mahr, Kluge würde die RTL-Marktanteile "innerhalb von drei Minuten" von 20 auf 5 Prozent eindampfen. Das sei "Publikumsvertreibung und Publikumsbeschimpfung". Inzwischen maulen die Sender nicht mehr ganz so laut. Stefan Aust erzählt vom Zuspruch, den der von Spiegel-TV und Dctp vor zwei Jahren gegründete Dokumentationskanal XXP erfahre und dass eben nicht alle Leute mit Info-Häppchen abgespeist werden wollten. Mit einem Special zur Lage der deutschen Werften habe man eine Million Zuschauer erreicht.

Auch Kluge interessiert sich für die Quote. "Ich weiß doch auch, dass Hochkultur nicht massenhaft verbreitet wird." Aber inzwischen blieben viele bei seinen Magazinen hängen, "weil sie so was noch nicht kennen." Alexander Kluge ist eine Zapperfalle. Sagt er.

 zurück     nach oben nach oben
 
Company      Partner      Formate      Menschen      TV-Woche      Home      English
Kontakt      Impressum      FAQ      Presse      dctp.tv      DVD-Boxen      Sendemittschnitt

Copyright © 1998-2010 dctp